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Zwerge am Svellt
#8
Zwerge am Svellt #8

"Fulmen!"

Altheas helle Stimme schnitt durch das Unterholz, noch ehe die Überraschung auf beiden Seiten ganz begriffen war. Ein blasser Strahl schoss aus ihrer erhobenen Hand zwischen die Orks, traf einen der vorderen Kämpfer mit voller Wucht und riss ihn zu Boden, noch bevor der erste Schrei ganz Form gewann.

Im selben Augenblick stürmten die Zwerge vor. Keldi links, Furka rechts, Hurdin in der Mitte - wie von selbst schloss sich die Linie, noch ehe die Orks ihre Säbel ganz gehoben hatten. Ein weiterer Ork taumelte zurück, als Tondars Bolzen ihn seitlich traf; dann zog sich der Schütze sofort hinter die Front zurück, während Metall auf Fell und rohe Kraft traf.

Die Orks kamen mit erhobenen Waffen, Muskeln, Fell, Atem und Wut auf engem Raum. Doch sie prallten auf Kettenhemden, Helme und jene kurze, harte Entschlossenheit, mit der die drei Zwerge standen, die Köpfe leicht gesenkt, die Schultern fest in der Bewegung. Dann begannen sich die Axtblätter zu heben und zu senken.

Hurdin hielt die Mitte wie ein Pfeiler, unbeirrbar, Schritt für Schritt. Furka ließ an der rechten Flanke seine Axt kreisen, roh und schnell, mit jener Kraft, die immer etwas Ungebändigtes behielt. Keldi brachte einen Ork mit einem kurzen Axtstoß zu Fall, riss in derselben Bewegung den Griff zurück in den Leib des hinter ihm stehenden Gegners und duckte sich unter einer quer geführten Säbelklinge hinweg, als habe sein Körper längst gelernt, was der Gegner erst im Schlag entschied.

Althea wich einen Schritt zurück, als einer der Orks sie direkt anging, und deckte ihn mit Flammengeschossen ein, bis das Fell an seiner Schulter aufloderte und er schreiend zurücktaumelte.

Ein anderer versuchte seitlich an der Formation vorbei zu brechen. Doch dort war plötzlich Archon. Fast unscheinbar. Ein Schritt, ein schneller Stoß mit der Klinge, kaum mehr als ein präziser Schnitt in den richtigen Augenblick — und auch dieser Ork brach zusammen, als hätte ihn die Bewegung selbst überrascht.

Der Angriff verlor seinen Schwung. Noch ehe die übrigen begriffen, dass ihre erste Wucht gebrochen war, lagen bereits mehrere ihrer Gefährten im Gras. Einer oder zwei wandten sich ab, suchten Flucht zwischen Bäumen und Gestrüpp.

Niemand setzte nach.

Keuchend standen sie im Wald, atmeten hart, lauschten. Dann drängte Keldi wortlos zurück zur Straße. Sie eilten südwärts, ohne sich umzusehen.

Erst als die Sonne tiefer sank und keine Verfolger in Sicht waren, schlugen sie sich ins Gebüsch. Dort rasteten sie verborgen und hielten die Straße die ganze Nacht über im Blick. Niemand schlief tief; jedes Knacken im Dunkel ließ Köpfe heben.

Am Morgen blieb der Himmel geschlossen. Die Straße wandte sich weiter nach Südosten, während die Salamandersteine endgültig hinter ihnen zurückblieben. Zur rechten öffnete sich nun der Blick auf eine große Öde, während links die letzten Ausläufer des Waldes den Weg begleiteten.

Am Abend lagerten sie ein letztes Mal zwischen Bäumen. Tondar verschwand, um Vorräte aufzufüllen; auch Archon ging kurz ins Unterholz, nicht weit, aber lange genug, dass Furka ihm nachsah. Die übrigen streckten sich erschöpft ins Gras.

Drei Tage noch, dachte Althea und blickte zum bleiernen Himmel. Wenn nur das Wetter sich bessern würde.

"Drei Tage noch…", hob Keldi an, als Tondar zurückkehrte.

Althea sah auf.

"Wenn nur das Wetter sich bessern würde."

Drei Tage über die Ebene vor Gashok.

Am nächsten Morgen brachte selbst der frühe Tag keine Kühlung. Der Himmel blieb bedeckt. Als sie das kleine Waldstück verließen, lag vor ihnen offene Ebene, hohes Gras beiderseits der Straße.

Furka blickte noch einmal zurück. Zwischen zwei Bäumen, dort am Rand des Wäldchens - standen dort nicht eben zwei schlanke Gestalten?

Ein Blinzeln. Nichts. Nur Stamm und Schatten.

Der Weg zog sich weiter durch die Steppe. Die Schwüle wurde wieder drückend. Gegen Mittag zeichnete sich links in der Ferne ein dunkler Streifen ab - ein Forst, weit entfernt, während die Straße unbeirrbar nach Süden führte.

Sie lagerten mitten im offenen Land. Die Nacht brachte keine Abkühlung.

Am folgenden Tag dehnte sich die Ebene unter bleiernem Himmel endlos. Fast hatte man das Gefühl, nicht voranzukommen. Ein Schritt schien zuweilen eher Abstand zum Ziel zu schaffen als ihn zu verringern.

Sie gingen weiter. Stur.

Erst als die Sonne längst rechts hinter ihnen sank, hielten sie an. Die Nacht blieb unruhig.

Am Morgen des 30. Rahja stand Keldi zuerst auf.

"Heute gilt es."

Noch ehe jemand antwortete, rollte vor ihnen ein fernes Donnergrollen durch die Ebene. Eine Stunde später stemmten sie sich gegen schärfer werdenden Wind. Dann zerriss ein Blitz den Horizont.

Kurz darauf öffnete der Himmel seine Schleusen.

Regen peitschte quer über die Straße. Die Kapuzen der elfischen Umhänge wurden tief ins Gesicht gezogen, Wasser rann an Stoff, Metall und Leder hinab, während sie Schritt um Schritt weitergingen.

Fast wirkte es, als stemme sich etwas gegen ihren Weg - als wolle der Himmel selbst verhindern, dass sie das Städtchen vor den unheiligen Tagen noch erreichten.

Doch sie gingen weiter.

Und noch vor Einbruch der Dunkelheit tauchten die Mauern von Gashok vor ihnen auf. Sie durchschritten das Tor.

"Den Zwölfen sei Dank", sagte Althea und schlug die Kapuze zurück.

Auf dieser Seite des Torbogens schien der Regen fast schlagartig schwächer.

Dann zeriss ein hartes Bersten den Abend.

Althea wurde nach hinten gerissen.

Einen Armbrustbolzen in der Brust.


[Bild: Ein-Bolzen-aus-dem-Nichts.png]
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Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:26
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