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Zwerge am Svellt
#18
# Zwerge am Svellt #18

Es war ein lauer Sommertag, dieser 1. Rondra, an dem sie aufbrachen...

Die Straße nach Süden war breit und weiß gepflastert, gut gepflegt und von jener Art, die den Eindruck vermittelte, die Welt sei geordnet und vernünftig. Anfangs gingen sie noch zwischen kleinen Gruppen anderer Reisender, einzelnen Fuhrwerken und Maultierzügen, die sich jedoch nach und nach zu den Höfen und Weilern der Umgebung verabschiedeten.

Gegen Mittag waren sie schließlich allein auf der Straße. Ungewöhnlich für eine der großen Handelsadern des Svellttals. Aber es herrschte Krieg - irgendwo dort, vor ihnen... Am Abend rasteten sie am Rande der Straße zwischen weiten Grasflächen. Der Himmel färbte sich langsam rotgolden, während die letzten Geräusche des Tages verebbten. Niemand sprach viel.

Nach Mittag des zweiten Tages senkte sich das Land vor ihnen und unter ihnen lagen die dunklen Ufer des Finsteren Svellt, der aus dem Finsterkamm kommend nach Nordwesten floss und sich dort irgendwo mit dem Lowanger Svellt zum großen Svellt vereinte. Am Übergang der Straße lag eine Fähre.

Ohne Fährmann.

Nach einer Weile meinte Furka, dies sei eigentlich überhaupt nicht erklärlich, da weit und breit keine Behausung zu sehen war. Noch eine Weile später begann er am Ufer auf und ab zu laufen. "Wir machen das selbst!"

Die anderen verzogen bei Erinnerung an Furkas frühere Steuerkünste die Mienen.

Aber diesmal klappte alles. Furka stand breitbeinig auf der Fähre, zog mit erstaunlicher Geschäftsmäßigkeit an den Leinen und brachte sie sicher ans andere Ufer.

Sie rasteten ein weiteres Stück die Straße hinunter. "Was der Fährmann wohl macht, wenn er seine Fähre auf der anderen Seite vorfindet?" fragte Tondar. "Wenn er nicht von Wölfen gefressen wurde. Oder Säbelzahntigern. Was auch immer es hier so gibt..." meinte Furka.

Am nächsten Tag waren im Norden die ersten Ausläufer eines gewaltigen Moores zu erkennen - der Sumpf des Vergessens, der sich bis Lowangen und beinahe endlos nach Nordwesten erstreckte. "Warum heißt der Sumpf des Vergessens?" fragte Furka. "Habe ich vergessen", antwortete Archon mit einem Grinsen unter seinem Bart.

Eine weitere Nacht an der Straße, dann erreichten sie - wie passend - unter strenger Sonneneinstrahlung das kleine Städtchen Neulowangen mit dem dortigen Praiostempel zur Mittagsstunde.

Neulowangen bestand aus sorgfältig angeordneten Häuserreihen, die alle auf einen zentralen Platz zuliefen, über dem die goldene Kuppel eines Praiostempels glänzte.

"Die Menschen hier sind ebenfalls Anhänger des Lowanger Dualismus", erklärte Althea, während sie die Straße hinuntergingen. Archon nickte langsam. "Das heißt, sie verbrennen auch Elfen?" Es blieb unklar, ob Befriedigung in seiner Stimme lag oder nur trockene Feststellung. "FURKA!"

Die Einwohner widmeten ihnen kaum mehr Aufmerksamkeit als anderen Reisenden. Geschäftig gingen sie ihren Tätigkeiten nach. Der Tempel des Praios erhob sich vor ihnen wie ein Monument aus weißem Marmor, die schweren Flügeltüren geöffnet. Die flirrende Mittagshitze legte einen Schleier über das Innere des Tempels. Sie kehrten in einer Herberge am Südrand des Platzes ein und ließen sich erst einmal ein gutes Mittagessen servieren. Während sie aßen, wechselte Althea einige Worte mit dem Wirt. Lowangen liege einen weiteren Tagesmarsch die Straße hinunter. Ja, die Orks. Nein, es kämen nicht mehr viele Reisende durch wie früher.

Nachdem die Reste des Essens abgeräumt worden waren, steckten sie die Köpfe zusammen.

"Ich..." "Wir!" "Wir - danke Furka - hatten eine Idee..."

Althea schilderte den Plan. Wenn die Orks tatsächlich Flüchtlinge in die Stadt ließen, dann sollte vielleicht zunächst nur eine kleine Vorhut nach Lowangen hinein. Keldi runzelte die Stirn. Hurdin rutschte angespannt auf seinem Stuhl hin und her.

Sie mieteten Zimmer und begannen bald darauf damit, Ausrüstung auseinanderzunehmen, umzupacken und neu zu ordnen. Hurdin wurde noch einmal hinausgeschickt, einige Dinge zu besorgen. Am späten Nachmittag saßen sie erneut zusammen.

"Ich bin Arthea. Eine Wanderin in diesen unglückseligen Zeiten." Althea hatte fast ihre gesamte Ausrüstung abgelegt, trug nun eine alte, mehrfach geflickte Robe und stützte sich auf ihren Stab.

"Furuk. Schmied auf der Flucht, nachdem die Orken unseren Weiler dem Erdboden gleich gemacht haben." Furka hatte einen einfachen Hammer hinter den Gürtel seiner groben Arbeitskleidung gesteckt.

"Ich rede nicht viel, seit das Anwesen meines ehemaligen Meisters geplündert wurde. Ich konnte zumindest ein paar unserer Bücher retten..." Archon wirkte fast belustigt ob der Charade.

Hurdin saß mit verschränkten Armen auf dem Bett. Man sah ihm an, dass er mit alldem ganz und gar nicht einverstanden war.Keldi zuckte mit den Schultern. "Wir bleiben eine Woche hier. Wenn wir bis dahin nichts von euch hören, nehmen wir die Stadt ein." Tondar lehnte am Türrahmen und prüfte schweigend die Schneide seines Dolchs.

"Wenn wir in einer Woche nicht zurück sind, packt ihr die Sachen und bringt euch in Sicherheit", korrigierte Althea ruhig. Keldi hielt ihrem Blick stand.

Noch vor Sonnenaufgang des nächsten Morgens machten sich die drei Versehrten auf den Weg Richtung Lowangen. Die Straße zog sich durch sorgfältig gepflegte Wälder, die in angemessenem Abstand um Neulowangen lagen. Der Himmel war leicht bedeckt, die Hitze des Tages noch fern, sodass sie gut vorankamen. Ab Mittag verlief die Straße parallel zum Svellt, der ihnen in einiger Entfernung zur Rechten entgegenströmte. Die Landschaft war geprägt von weiten Weiden und Feldern, doch keine Menschen-, Zwergen- oder Elfenseele war zu sehen. Immer wieder kamen sie an verlassenen Weilern und Gehöften vorbei. Nach Mittag nahm die Zahl ausgebrannter Gebäude zu...

"Wenn jemand diese Felder noch ernten wird, dann wahrscheinlich die Orks..." "Wenn sie bis dahin nicht zertreten sind..."

Am Nachmittag begegneten sie vereinzelten Reisenden - Flüchtlingen, die nach Süden wollten, oder jenen, die ihnen entgegenkamen und warnten.

Als die Sonne bereits tief stand, tauchten die hohen Mauern Lowangens vor ihnen auf. Der alte Stadtkern Lowangens lag auf einer Insel am südlichen Ufer, von der aus sich die Stadt ausgebreitet hatte. Von der Straße aus jedoch war davon nichts zu erkennen. Stattdessen ragten graue Mauern empor, gestützt von Türmen, die im Norden in mehrere Festungswerke übergingen. Die Szenerie wirkte still und abweisend. Von Mauern und Türmen hingen schlaffe Banner und hier und da stiegen Rauchsäulen über der Stadt auf.

Der Grund war offensichtlich. Um Lowangen hatte sich ein Belagerungsring geschlossen. Ein großes Heerlager der Orks lag südlich der Stadt, weitere kleinere Lager zogen sich in unregelmäßigen Abständen entlang der Mauern.

Und die Handelsstraße führte direkt darauf zu.

Sie näherten sich dem Lager zögerlich, obwohl es längst zu spät gewesen wäre um umzukehren. Zunächst nahm kaum jemand Notiz von ihnen. Dann wurden sie lediglich gelangweilt oder belustigt betrachtet. Es wirkte beinahe, als habe sich hier eine Gruppe ohne eigentliche kriegerische Absicht niedergelassen - wenn auch bis an die Zähne bewaffnet. Erst auf einem größeren Platz vor dem Südtor trat eine Gruppe Orks auf sie zu und machte unmissverständlich klar, dass sie ihre Ausrüstung hier zurückzulassen und anschließend ihren Weg in die Stadt fortzusetzen hätten.

Aller Widerstand schien zwecklos. Der vorsichtige Versuch, sich vielleicht doch verirrt zu haben und dann vielen Dank auch, wurde durch weitere Orks beendet, die ihnen bereits den Rückweg abschnitten.

Nahezu alles landete in den Händen der Orks. Am Ende standen sie nur noch in Beinkleidern und Stiefeln da. Althea hatte man das letzte Hemd gelassen. Ihr Stab wurde von einem Orkschamanen zurückgewiesen und auch die Bücher bei Archon schienen niemanden zu interessieren. Furka stürzte noch rasch den Schnaps hinunter, den er eingesteckt hatte. "Den bekommen sie nicht!"

Dann führten Orkwachen sie weiter.

Vor ihnen lagen die Brücke und das große Stadttor Lowangens. Schließlich öffnete sich darin eine kleine Mannsluke und ließ sie hindurch. Ein letzter Blick zurück auf das Fallgatter hinter ihnen. Dann auf die kleine Menschentraube vor ihnen.

Sie standen in Lowangen.
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Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 08:26
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RE: Zwerge am Svellt - von Althea - 19.04.2026, 09:22
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